29.03.13

Ich dachte ich schreibe hier mal von meinen Hüteanfängen, vielleicht macht es dem einen oder anderen ein bisschen Mut, dem es genauso ergeht wie es mir ergangen ist.

 

Jaa, mein erster Hütehund und dann gleich einer der es einem Anfänger nicht gerade leicht macht :). Ich hatte lange bevor Floss hier einzog sehr oft beim Training bei meiner Freundin Andrea zugesehen und hatte so zumindest einen kleinen Eindruck davon bekommen, wie die Hüterei überhaupt funktionierte. Ich fand es höchst faszinierend, mit ein Grund warum ja auch ein Border einziehen sollte. Alle Junghunde die ich starten sah, hatten von Anfang an den Drang die Schafe zu umkreisen.... naja Floss nicht ;) Sie wollte immer nur grade drauf zu und nicht flankieren.

 

Mit Hilfe meiner Züchterin bekamen wir sie dann dazu auch mal um die Schafe zu laufen, allerdings war sie seeehr eng, seehr schnell und nahm immer wieder Wollproben! So oft, dass ich teilweise nur mit der Angst auf die Koppel ging "bitte lass sie nicht wieder beißen". Kaum hatten wir sie soweit zu flankieren, wurde sie zum Satelliten und rannte und rannte nur noch, immer mit dem Ziel an die Schafe zu kommen.Teilweise machte es einfach keinen Spaß mehr und ich zweifelte, ob es überhaupt Sinn macht weiter zu trainieren. Ich fuhr regelmäßig zu anderen Trainern, es besserten sich Kleinigkeiten, aber gut fühlte es sich einfach nicht an. Es war ein ewiger Kampf zwischen uns, "wer ist schneller", ich war nur damit beschäftigt sie von den Schafen fern zu halten.

 

Völlig frustriert nahm ich dann im November 2012 an einem Hüteseminar mit Alun Jones teil, aus dessen Zucht Floss Vater Jaff stammt und der auch ihre Mutter gut kennt. Obwohl Floss sich aus meiner Sicht genauso grottig wie immer benahm, sah er wohl irgendwas in ihr, das ihm gefiel. Er war begeistert und ich wusste nicht wovon ;) "She's a very keen bitch, looks like her father and works like her mother" waren seine Worte.

 

Mein Glück, dass ich auf diesem Seminar war, denn ich lernte Dagmar kennen, die den Schlüssel zu Floss Hütechip hatte :) Sie bot mir an mal zu ihr zum Training kommen und ich nahm das gleich in der nächsten Woche wahr. Und ich war baff! Dagmars Konzept (wenn man es so nennen darf) nennt sie spaßeshalber "wild west" :). Floss durfte alles machen, alles ausprobieren, alles, außer beißen! Dass das unerwünscht ist, haben wir ihr ein paar mal deutlich mitgeteilt. Und schon beim ersten Training zeigte mein Hund Dinge, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Tolle Ideen, die mir manchmal Tränen in die Augen trieben.... Nach und nach kam Kontrolle unsererseits dazu. Floss lernte also durch eigenes Ausprobieren, wie die Schafe reagieren, welchen Abstand sie zu halten hat und plötzlich hatte mein Hund auch diesen "will to please", den ich im Hüten bisher so vermisst hatte ;) Im Nachhinein ist mir klar, dass sie einfach nicht verstanden hat, was ich von ihr wollte.

 

Heute nach nur vier Monaten habe ich einen anderen Hund: sie läuft schöne Outruns, hat einen natürlichen Lift, kann ihre Seiten (wenn sie denn will :)), treibt für ihr Leben gern und kann auch schon im engen Stall Schafe sortieren. Das Beißen ist Vergangenheit, kommt nur noch höchst selten vor oder in Situationen in denen es nötig ist. Ich möchte mich bedanken bei Andrea, Christina und Hans-Jürgen Werbke für ihre Aufopferung, Geduld und ihr Training! Manchmal muss man einfach ein bisschen länger suchen (oder Glück haben), um für sich und seinen Hund die perfekte Trainingsmethode zu finden.

Ich hab sie gefunden und hoffe dass ich noch lange Dagmars kleines Hobby bin ;)